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Landschaftsbild und Erholung

Mit dem Begriff des Landschaftsbildes wird die ästhetische Wahrnehmung der Landschaft mit allen Sinnen bezeichnet. In der Flächennutzungs- und Landschaftsplanung werden Aussagen über den Zustand und die Wertigkeit des Landschaftsbildes in einer Landschaftsbildbewertung gemacht. Dabei sind die Vorgaben des § 1 des Bundesnaturschutzgesetzes zu beachten. Das Landschaftsbild wird hier über die Begriffe „Vielfalt, Eigenart und Schönheit“ charakterisiert. Landschaftsbildbewertungen fußen auf diesen Kriterien, allerdings wird der Begriff der Schönheit meist aufgrund seiner Subjektivität nicht bearbeitet.

Neben der Landschaftsbildbewertung liefert die Sichtbarkeitsanalyse Aussagen über die Einsehbarkeit des Geländes. Aspekte zur naturbezogenen Erholung beschreiben den Erholungswert der Landschaft. Obige drei Module sind Bausteine eines flächendeckenden Konzeptes, das in einem zukünftigen Landschaftsplan und einem fortzuschreibenden Regionalen Flächennutzungsplan Verwendung finden wird.



Die Landschaftsbildbewertung des Regionalverbandes untersucht die Vielfalt und Eigenart der freien Landschaft, die sich in unterschiedlichen Vegetationsstrukturen, Nutzungsarten, Oberflächenformen (Relief) sowie Vorkommen von Gewässern zeigt.

Die Analyse (*) erfolgt rasterbasiert, das heißt, alle Analyseschritte werden in einem Raster von 250 m mal 250 m bearbeitet, das über die gesamte Fläche gelegt wird. Anhand der Flächennutzung wird der landschaftliche Wechsel der Nutzungen, der sogenannte Randeffekt, bestimmt. Dabei werden die Grenzlängen zwischen den Nutzungen pro Raster berechnet. Das Relief als ein Teilaspekt der Eigenart der Landschaft fließt über die Reliefenergie in die Analyse ein. Die Bewertung der Flächennutzung erfolgt nach ästhetischen Kriterien aus Sicht eines Landschaftsbetrachters oder Erholungssuchenden. Durch Verknüpfung der Teilergebnisse aus Randeffekt, Relief und ästhetischer Flächenbewertung erhält man die Bewertung des Landschaftsbildes in fünf Klassen.

Die so vorliegende flächendeckende Landschaftsbildbewertung fließt in die Umweltprüfung und in Stellungnahmen zu Einzelprojekten ein.

Methodik der Landschaftsbildbewertung

Methodik der Landschaftsbildbewertung

 

 

Landschaftsbildbewertung zur Vielfalt



Die Sichtbarkeitsanalyse ergänzt die Aussagen aus der Landschaftsbildbewertung. Die Sichtbarkeitsanalyse ist eine GIS-gestützte Rasteranalyse (50 m-Raster), mit der flächendeckend die Einsehbarkeit des Geländes aufgrund seiner Topologie ermittelt wird. Die Analyse liefert wertvolle Entscheidungshilfen bei der Beurteilung von Standorten für Objekte, die das Landschaftsbild prägen und verändern, wie zum Beispiel Burgen, Aussichtstürme oder Windenergieanlagen und Funkmasten. In Flächen mit hoher und sehr hoher Einsehbarkeit sind diese Objekte weithin sichtbar, haben somit eine große Fernwirkung in der Landschaft.

Sichtbarkeitsanalyse



Die freie Landschaft stellt den Raum für die naturbezogene Erholung dar und bietet den Erholungssuchenden Identifikation mit ihrer Umgebung. Der Erholungswert der Landschaft ist im § 1 des Bundesnaturschutzgesetz als Schutzziel verankert. Er basiert auf der landschaftlichen Vielfalt (siehe Landschaftsbildbewertung) sowie auf landschaftlichen Besonderheiten, wird aber auch vom Vorhandensein von Erholungseinrichtungen, Freizeitwegen (siehe auch vielfältige Freizeitangebote) sowie kulturhistorisch bedeutsamen und landschaftlich markanten Aussichtspunkten bestimmt.

Erholungsschwerpunkte:
Basis für die Auswahl der Erholungsschwerpunkte bilden die „beliebten Ausflugsziele“ des Landschaftsrahmenplans Südhessen 2000 (**). Diese wurden durch weitere Punkte ergänzt, in denen sich Erholungssuchende mehrere Stunden bis zu einem Tag aufhalten.

Freizeitwege:
In der Karte Erholungsaspekte werden Fernwanderwege – Europäische Fernwanderwege E1 und E3, Hessische Fernwanderwege H2, H4, H9 und H11 sowie die Bonifatiusroute – und Fernradwege – Hessische Fernradwege R3, R4, R6, R8, Mainradweg, Veloroute Rhein, BahnRadweg, Vulkanradweg, Limesradweg, Lahntal-, Weiltal- und Niddaradweg – dargestellt.

Kulturhistorisch bedeutsame Aussichtspunkte:
Die Sichtbeziehung zu kulturhistorisch bedeutsamen Aussichtspunkten spielt für die Erholungseignung und die Identität eines Landschaftsraumes eine große Rolle. Im Verbandsgebiet wurden kulturhistorisch bedeutsame Aussichtspunkte ausgewählt, deren Sichtbeziehungen schützenswert sind. Dabei handelt es sich um landschaftlich markante, oft kulturhistorisch und überregional bedeutsame Türme.

Erholungsaspekte


* GIS-gestützte Weiterentwicklung und inhaltliche Anpassung der Methodik nach Marks, R., Müller, M.J., Leser, H., Klink, H.-J. (Hrsg.) (1989): Anleitung zur Bewertung des Leistungsvermögens des Landschaftshaushaltes (BA LVL) (= Forschungen zur deutschen Landeskunde 229). Trier, Zentralausschuss für deutsche Landeskunde, Selbstverlag, 2.2.9 Erholungsfunktion, S. 129 – 136.

** Regierungspräsidium Darmstadt, Landschaftsrahmenplan Südhessen 2000, Darmstadt.