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Historische Kulturlandschaft und ihre Elemente

Wer mit wachen Augen durch die Landschaft geht, kann sie entdecken, die häufig unscheinbaren Zeugen der Vergangenheit. Es gibt eine Vielzahl von Relikten in unserer heutigen Kulturlandschaft. Überall dort, wo wir in der Landschaft einer anderen Zeit begegnen, ist historische Kulturlandschaft: Römerstraßen, Wegekreuze, Hohlwege, Gerichtsbäume oder Eiskeller gehören dazu.

 

Steinkreuz bei Friedberg (Foto: Timm Nüchter) Großflächige historische Kulturlandschaften gibt es, vor allem in Ballungsräumen wie der Region Rhein-Main, kaum noch. Daher konzentriert sich der Regionalverband FrankfurtRheinMain darauf, einzelne Elemente der historischen Kulturlandschaft zu erfassen. Diese „kulturhistorischen Landschaftselemente“ (KHLE) sind heute noch erlebbare Reste unserer ehemaligen Kulturlandschaft und erfüllen folgende Bedingungen:
  • Sie sind sichtbar, also in der Landschaft mit bloßem Auge zu erkennen.
  • Sie sind anthropogen, durch menschliches Wirken entstanden.
  • Sie sind historisch, stammen also aus einer vergangenen Zeit; heute würden sie auf diese Weise nicht mehr geschaffen werden.
  • Sie haben originale Substanz und sind keine Nachbauten.
  • Im Glossar, das Sie sich unten herunterladen können, sind Beispiele für KHLE zu finden.

    Der Regionalverband kartiert seit den 1990er-Jahren die historische Kulturlandschaft und deren Elemente. Es geht dabei um Objekte, die bisher nicht unter Denkmalschutz stehen, aber dennoch kulturhistorisch wertvoll sind. Kartierung und Kulturdenkmäler (Bau- und Bodendenkmäler) bilden zusammen ein Kulturlandschaftskataster und somit eine digitale Datenbasis für die Region. Das Kulturlandschaftskataster können Sie hier ansehen (Klick auf die Abbildung):

    Externer Link: Kulturlandschaftskataster_Screenshot

     

    Kulturlandschaftskataster: Infografik

     

    Die bewusst wahrgenommene Kulturlandschaft ist ein Schritt zum eigenständigen Bild der Region Rhein-Main im Zeitalter der Globalisierung; sie soll so entwickelt werden, dass sie ihre Funktion als Heimat und Erholungsraum auch weiterhin erfüllen kann. Zusätzlich soll ein solches Kataster das Bewusstsein für das eigene kulturelle Erbe wecken.

    Derzeit liegen 6817 Elemente (Baudenkmäler, Bodendenkmäler und sonstige kulturhistorische Landschaftselemente) im Kulturlandschaftskataster vor.

    Die KHLE verteilen sich auf 132 verschiedene Typen (z.B. Allee, Mühlteich oder Steinbruch).

    Des Weiteren wurden die Elemente in fünf Funktionsbereiche eingeteilt. Diese sind:

    • Land- und Forstwirtschaft
    • Bergbau und Gewerbe
    • Siedlung und Verteidigung
    • Verkehr
    • Sonstiges

     

    Beispiel für den Funktionsbereich Verkehr: Die Hohe Straße bei Hammersbach (Foto: Christian Wiegand)

    Wir bedanken uns bei den zahlreichen Beteiligten – allen voran bei den Heimat- und Geschichtsvereinen, die die Notwendigkeit der Erhaltung der historischen Kulturlandschaft erkannt haben und mit großem Engagement bei der Erfassung mitwirkten.

    Kulturdenkmäler

    Da Bau- und Bodendenkmäler zu den kulturhistorischen (Landschafts-) Elementen zählen, sind sie auch Teil des Kulturlandschaftskatasters. Dort sind derzeit 1806 Baudenkmäler verzeichnet. Hinzu kommen 4225 Bodendenkmäler sowie der römische Grenzwall Limes, der als UNESCO-Welterbe unter Schutz steht.

    Die unter dem Begriff Kulturdenkmäler zusammengefassten Bau- und Bodendenkmäler werden in Deutschland in der Regel ausführlich untersucht, inventarisiert und unter Schutz gestellt. Darüber hinaus genießen sie in der Bevölkerung eine gewisse Bekanntheit und Akzeptanz. Es lag dem Regionalverband jedoch mit seinem Projekt am Herzen, gerade die Elemente zu erfassen, die nicht unter Denkmalschutz stehen. Aus diesem Grund hat der Regionalverband bei seinem Projekt sein Hauptaugenmerk auf die nicht geschützten KHLE gelenkt.

    Verwendung der Daten

    Der Regionalverband hat das Ziel, dass alle kulturhistorisch wertvollen Elemente in der Planung berücksichtigt werden, wenn z. B. Straßen gebaut oder Baugebiete ausgewiesen werden. Die Daten des Katasters sind deshalb auch Bestandteil der Plan-Umweltprüfung, die bei der Aufstellung des Regionalen Flächennutzungsplans durchgeführt wird. Auch in der Landschaftsplanung finden sie Berücksichtigung. Die Kulturdenkmäler werden in der Beikarte des Regionalen Flächennutzungsplans dargestellt.

    Sie finden aber auch bei verschiedenen Regionalpark-Projekten Eingang. Ein Beispiel dafür sind die alten Kalkbrennöfen bei Flörsheim, die durch das aktive Gestaltungskonzept des Regionalparks RheinMain vor dem Vergessen bewahrt und wiederhergestellt wurden.

    Kalkbrennofen bei Flörsheim

    Weitere Schritte

    Die Landschaft unterliegt einem ständigen Wandel, manche Elemente verschwinden, neue entstehen. Entsprechend ist eine solche Erhebung, wie wir sie durchgeführt haben, naturgemäß lückenhaft und bietet nur eine Auswahl der Objekte. Tatsächlich sind bei der Größe des Untersuchungsgebietes hunderte noch nicht erfasster KHLE zu erwarten, vor allem im Taunus, wo der Landschaftswandel vergleichsweise langsam vonstattengeht. Entsprechend muss auch unsere Datensammlung ständig fortgeführt werden, sie ist ein offener Prozess.

    Viele Diskussionen bei Veranstaltungen haben gezeigt, dass es wichtig ist, die Bürger über das historische Potenzial vor Ort aufzuklären, um eine Zerstörung zu verhindern, denn die Zerstörung erfolgt meist nicht aus Vorsatz, sondern aus mangelnder Kenntnis. Beispiele aus dem Regionalpark zeigen, dass die Aufwertung und somit Bewusstmachung kulturhistorischer Landschaftselemente entscheidend zu deren Schutz beiträgt. Auch um sich mit unserer Region identifizieren zu können, muss die individuelle Eigenart einer Landschaft erkannt, hervorgehoben und für die nachfolgenden Generationen nachhaltig gesichert werden. Deshalb und um den Erlebnis- und Erholungswert der Landschaft zu steigern, möchten wir die kulturhistorischen Landschaftselemente der Öffentlichkeit bekannt machen.

    Dazu haben wir unter anderem die Ausstellung „Alltag macht Geschichte - Kulturhistorische Landschaftselemente in der Region Rhein-Main" konzipiert, die seit dem Jahr 2006 im Freilichtmuseum Hessenpark bei Neu-Anspach zu sehen ist.
    Für unsere Mitgliedskommunen bieten wir die Möglichkeit, die Ausstellung auszuleihen. Sie wird dann jeweils ergänzt um 2-3 Tafeln, die sich mit der örtlichen Kulturlandschaft befassen.

    Alltag macht Geschichte (Ausstellung)